
Wer 3D-Drucke verkaufen möchte, muss den Preis so kalkulieren, dass nicht nur das Filament bezahlt ist. Strom, Maschinenzeit, Fehldrucke, Arbeitszeit, Verpackung, Verkaufsgebühren und Gewinn gehören ebenfalls in die Rechnung. Ein Bauteil mit Materialkosten von zwei Euro kann deshalb einen sinnvollen Verkaufspreis von 15, 20 oder mehr Euro haben.
Wenn du 3D-Drucke verkaufen willst, erfährst du in diesem Ratgeber Schritt für Schritt, wie du die vollständigen Kosten eines 3D-Drucks ermittelst und daraus einen nachvollziehbaren Verkaufspreis ableitest. Für eine schnelle Berechnung kannst du anschließend den kostenlosen 3D-Druck Kostenrechner mit Projekt- und Lagerverwaltung nutzen.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, helfen dir außerdem 3D-Drucke verkaufen: Was lohnt sich wirklich? und 25 Produkte, die sich verkaufen lassen.
Alle Schritte im Überblick: Dieser Ratgeber vertieft die Preisberechnung. Produktwahl, Nutzungsrechte und den gesamten Verkaufsablauf bündelt die Übersichtsseite 3D-Druck Gewerbe starten. Plattformabhängige Gebühren und Einsatzfälle vergleichst du im Beitrag Wo 3D-Drucke verkaufen?.
3D-Drucke verkaufen: Das Wichtigste zur Preiskalkulation
- Berechne nicht nur das verbrauchte Filament.
- Trenne variable Stückkosten und betriebliche Gemeinkosten.
- Bewerte deine eigene Arbeitszeit mit einem realistischen Stundensatz.
- Berücksichtige Fehldrucke und Ausschuss als Risikozuschlag.
- Rechne Plattform- und Zahlungsgebühren vom tatsächlichen Verkaufspreis zurück.
- Gewinn ist nicht dasselbe wie dein Arbeitslohn.
- Vergleiche das Ergebnis anschließend mit Marktpreis und Kundennutzen.
Welche Kosten gehören in einen 3D-Druck?
| Kostenblock | Typische Bestandteile | Berechnung |
|---|---|---|
| Material | Filament, Support, Brim, Inserts, Magnete, Schrauben | Verbrauch × Preis je Gramm |
| Strom | Drucker, Trockner und weitere Geräte | Laufzeit × Leistungsaufnahme × Strompreis |
| Maschine | Anschaffung, Wertverlust und Nutzung | Maschinenstundensatz × Druckzeit |
| Arbeitszeit | Vorbereitung, Nachbearbeitung, Verpackung, Kundenkontakt | Zeitaufwand × Stundensatz |
| Gemeinkosten | Software, Werkzeug, Raum, Buchhaltung, Website | Pauschale oder Zuschlag |
| Vertrieb | Verpackung, Plattform- und Zahlungsgebühren | Fixbetrag plus prozentuale Gebühr |
| Risiko | Fehldrucke, Reklamationen und Ausschuss | Zuschlag nach Erfahrungswert |
| Gewinn | Unternehmerischer Überschuss | Betrag oder prozentualer Aufschlag |
1. Materialkosten richtig berechnen
Materialkosten = Filamentverbrauch in Gramm × Rollenpreis ÷ Rollengewicht in Gramm
Eine Rolle mit 1.000 Gramm kostet beispielsweise 22 Euro. Benötigt das fertige Bauteil einschließlich Support und Brim 120 Gramm, entstehen Materialkosten von:
120 g × 22 € ÷ 1.000 g = 2,64 €
Verwende den gesamten im Slicer angezeigten Verbrauch und nicht nur das Gewicht des fertigen Modells. Bei Multicolor-Drucken gehören Spülmaterial und Purge Tower ebenfalls dazu. Hinweise zur Materialauswahl findest du im Vergleich PLA, PETG oder ABS für Werkstattteile.
2. Stromkosten erfassen
Stromkosten = Leistung in kW × Laufzeit in Stunden × Preis je kWh
Bei durchschnittlich 120 Watt, acht Stunden Druckzeit und 0,30 Euro pro Kilowattstunde ergibt sich:
0,12 kW × 8 h × 0,30 €/kWh = 0,29 €
Die maximale Leistung auf dem Typenschild ist nicht automatisch der durchschnittliche Verbrauch. Druckbett, Düse, Bauraumtemperatur und Material beeinflussen den Wert. Ohne eigene Messung solltest du eine nachvollziehbare, eher vorsichtige Annahme verwenden und sie dokumentieren.
3. Maschinenkosten und Verschleiß
Auch wenn du 3D-Drucke verkaufen möchtest, arbeitet ein bereits bezahlter Drucker nicht kostenlos. Mit jeder Betriebsstunde werden Düse, Extruder, Lager, Riemen, Lüfter und Druckoberfläche beansprucht. Außerdem verliert das Gerät an Wert.
Maschinenstundensatz = (Anschaffungspreis − Restwert) ÷ geplante Nutzungsstunden
Bei 700 Euro Anschaffungspreis, 100 Euro angenommenem Restwert und 3.000 Nutzungsstunden beträgt der kalkulatorische Maschinenanteil 0,20 Euro je Stunde. Bei acht Stunden Druckzeit sind das 1,60 Euro.
Reparaturen und Verschleißteile kannst du im Stundensatz oder als zusätzlichen Zuschlag berücksichtigen. Vermeide eine doppelte Berechnung derselben Kosten.
4. Eigene Arbeitszeit nicht verschenken
Der Drucker arbeitet automatisch, aber ein Auftrag verursacht trotzdem Arbeit:
- Datei auswählen oder Modell konstruieren
- Slicer vorbereiten und Einstellungen kontrollieren
- Druckplatte reinigen und Material wechseln
- Support entfernen und Oberfläche nachbearbeiten
- Qualitätskontrolle
- Kundenfragen beantworten
- Produkt fotografieren und einstellen
- verpacken und versenden
Benötigst du insgesamt 20 Minuten und setzt 18 Euro pro Arbeitsstunde an, ergeben sich sechs Euro Arbeitskosten. Dieser Betrag vergütet deine Tätigkeit. Ein zusätzlicher Gewinnaufschlag deckt dagegen das unternehmerische Risiko und ermöglicht Investitionen.
5. Fehldrucke und Ausschuss
Nicht jeder Druck wird verkauft. Haftungsprobleme, Stromausfälle, Materialfehler oder falsche Einstellungen können einen Auftrag unbrauchbar machen. Diese Kosten müssen langfristig von den erfolgreichen Verkäufen getragen werden.
Für den Einstieg kannst du einen vorsichtigen Zuschlag verwenden. Später ersetzt du die Schätzung durch deine tatsächliche Quote:
Ausschussquote = Kosten unbrauchbarer Drucke ÷ gesamte Produktionskosten
6. Verpackung, Versand und Verkaufsgebühren
Karton, Füllmaterial, Etikett und Klebeband gehören ebenso in die Kalkulation wie Gebühren der Verkaufsplattform oder des Zahlungsanbieters. Versandkosten kannst du separat berechnen oder in den Produktpreis aufnehmen – entscheidend ist, dass sie nicht unbemerkt deinen Gewinn reduzieren.
Bei einer prozentualen Gebühr lautet die Rückwärtsrechnung:
Verkaufspreis vor Steuern = gewünschter Erlös ÷ (1 − Gebührensatz)
Möchtest du nach einer beispielhaften Gebühr von zwölf Prozent 17,42 Euro behalten, ergibt sich ein Verkaufspreis von rund 19,80 Euro. Gebührenmodelle können sich ändern; prüfe deshalb immer die aktuellen Konditionen deiner Plattform.
7. Gemeinkosten verteilen
Viele Kosten lassen sich keinem einzelnen Druck direkt zuordnen. Beispiele sind Website, Software, Werkzeug, Büromaterial, Lagerfläche, Versicherungen oder Buchhaltung.
Für kleine Stückzahlen ist ein prozentualer Gemeinkostenzuschlag einfach. Mit mehr Verkaufsdaten kannst du die monatlichen Gemeinkosten durch eine realistische Zahl verkaufter Produkte oder produktiver Maschinenstunden teilen.
8. Gewinnaufschlag festlegen
Willst du 3D-Drucke verkaufen, zeigen die Selbstkosten zunächst, was dich ein Produkt tatsächlich kostet. Erst der Gewinnaufschlag macht daraus ein wirtschaftlich interessantes Angebot.
Wie hoch der Gewinn sein sollte, hängt von Wettbewerb, Einzigartigkeit, Nachfrage, Reklamationsrisiko und deinem Aufwand ab. Ein individuell konstruiertes Ersatzteil kann einen höheren Aufschlag rechtfertigen als ein Modell, das viele Anbieter nahezu identisch verkaufen.
Das Existenzgründungsportal des Bundes weist bei der Preisgestaltung darauf hin, dass der Preis sämtliche Kosten und einen Gewinn abdecken muss, aber auch Marktpreis und Zahlungsbereitschaft berücksichtigen sollte.
Beispielrechnung
| Position | Beispielwert |
|---|---|
| 120 g Filament | 2,64 € |
| Strom für acht Stunden | 0,29 € |
| Maschinenzeit | 1,60 € |
| 20 Minuten Arbeitszeit | 6,00 € |
| Verpackungsmaterial | 1,20 € |
| Ausschusszuschlag | 0,45 € |
| Direkte und zurechenbare Kosten | 12,18 € |
| Gemeinkostenzuschlag, beispielhaft 10 % | 1,22 € |
| Selbstkosten | 13,40 € |
| Gewinnaufschlag, beispielhaft 30 % | 4,02 € |
| Gewünschter Erlös vor Plattformgebühr | 17,42 € |
| Verkaufspreis bei beispielhaft 12 % Gebühr | 19,80 € |
| Sinnvoll gerundeter Angebotspreis | 19,90 € |
Das Beispiel ist kein allgemeingültiger Preisvorschlag. Tausche jeden Wert gegen deine tatsächlichen Kosten aus.
Verkaufspreis direkt berechnen
Im kostenlosen 3D-Druck Kostenrechner kannst du Material, Strom, Druckzeit, Arbeitszeit, Verschleiß und Gewinn erfassen. Projekte, Filamente, Bestände und Verkäufe lassen sich ebenfalls verwalten.
Stückpreis bei mehreren Exemplaren
Bei einer Serie verteilen sich Vorbereitung, Konstruktion und Kommunikation auf mehrere Teile. Material, Maschinenzeit und Verpackung fallen dagegen weiterhin je Stück an.
Stückkosten = variable Kosten je Teil + einmalige Auftragskosten ÷ Stückzahl
Ein Mengenrabatt ist nur wirtschaftlich, wenn der Aufwand pro Stück tatsächlich sinkt. Nur weil ein Kunde mehrere Teile bestellt, werden Filamentverbrauch und Druckzeit nicht automatisch günstiger.
Netto, brutto und Kleinunternehmerregelung
Ob du Umsatzsteuer ausweisen musst, hängt von deiner steuerlichen Situation ab. Wer die Kleinunternehmerregelung nutzt, weist grundsätzlich keine Umsatzsteuer aus; trotzdem muss der angebotene Preis sämtliche Kosten und den gewünschten Gewinn abdecken. Ändert sich dein steuerlicher Status, muss die Kalkulation angepasst werden.
Dieser Abschnitt ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Prüfe die für dich geltenden Vorgaben mit dem Finanzamt, einem Steuerberater oder einer zuständigen Beratungsstelle.
Bevor du den kalkulierten Preis als Angebot veröffentlichst, solltest du außerdem die rechtlichen Grundlagen prüfen. Der Ratgeber Gewerblich 3D-Drucke verkaufen: Was ist erlaubt? behandelt STL-Lizenzen, Schutzrechte, Produktsicherheit, GPSR, CE, Verpackung und Widerruf.
Typische Kalkulationsfehler
- Nur das Filament berechnen
- Druckzeit mit Arbeitszeit verwechseln
- Arbeitslohn als Gewinn behandeln
- Fehldrucke ignorieren
- prozentuale Plattformgebühren falsch aufschlagen
- Versandmaterial vergessen
- den Preis ausschließlich nach Konkurrenz festlegen
- keine Nachkalkulation durchführen
Vorkalkulation und Nachkalkulation
Wenn du regelmäßig 3D-Drucke verkaufen möchtest, erstellst du vor jedem Auftrag eine Vorkalkulation. Nach Produktion und Verkauf vergleichst du die Annahmen mit Verbrauch und Zeitaufwand. Weichen die Werte regelmäßig ab, passt du Maschinenstundensatz, Arbeitszeit oder Risikozuschlag an.
Gerade diese Nachkalkulation entscheidet langfristig darüber, ob ein scheinbar erfolgreiches Produkt tatsächlich Gewinn erwirtschaftet.
Fazit
Wenn du 3D-Drucke verkaufen möchtest, berücksichtigt ein wirtschaftlicher Verkaufspreis Material, Strom, Maschinenzeit, Arbeit, Gemeinkosten, Ausschuss, Vertrieb und Gewinn. Die Rechnung liefert zunächst einen kostendeckenden Mindestpreis. Danach prüfst du, ob dieser Preis zum Markt, zum Nutzen des Produkts und zur Zahlungsbereitschaft deiner Zielgruppe passt.
Liegt der notwendige Preis deutlich über vergleichbaren Angeboten, solltest du nicht automatisch auf Gewinn verzichten. Prüfe stattdessen, ob du Druckzeit, Materialverbrauch oder Nacharbeit reduzieren, das Produkt differenzieren oder einen anderen Verkaufskanal wählen kannst.
Mit dem 3D-Druck Kostenrechner kannst du deine eigenen Werte direkt erfassen.
Häufige Fragen
Wie berechnet man den Preis eines 3D-Drucks?
Addiere Material, Strom, Maschinenzeit, Arbeitszeit, Verpackung, Gemeinkosten und einen Zuschlag für Fehldrucke. Ergänze einen Gewinn und berücksichtige prozentuale Verkaufsgebühren durch eine Rückwärtsrechnung.
Wie viel sollte man pro Gramm Filament berechnen?
Ein reiner Grammaufschlag reicht nicht. Er berücksichtigt weder Druckzeit noch Arbeitsaufwand, Maschine, Ausschuss, Verpackung oder Verkaufsgebühren.
Zählt die komplette Druckzeit als Arbeitszeit?
Nein. Die automatische Druckzeit wird über Maschinenkosten und Strom berücksichtigt. Als Arbeitszeit zählt die Zeit, in der du tatsächlich vorbereitest, kontrollierst, nachbearbeitest, kommunizierst oder verpackst.
Wie berücksichtigt man Fehldrucke?
Am Anfang kannst du mit einem vorsichtigen Risikozuschlag kalkulieren. Später solltest du deine tatsächlichen Ausschusskosten durch die gesamten Produktionskosten teilen.
Warum ist Gewinn nicht dasselbe wie Arbeitslohn?
Der kalkulatorische Arbeitslohn vergütet deine Zeit. Der Gewinn ist der zusätzliche unternehmerische Überschuss für Risiko, Rücklagen und Investitionen.
Muss ich Umsatzsteuer auf den Verkaufspreis aufschlagen?
Das hängt von deiner steuerlichen Situation ab. Prüfe, ob du die Kleinunternehmerregelung nutzt oder Umsatzsteuer ausweisen musst. Der Artikel ersetzt keine individuelle Steuerberatung.
