PETG ist eines der beliebtesten Filamente für funktionale 3D-Drucke. Es ist stabiler als PLA, temperaturbeständiger und gleichzeitig einfacher zu drucken als ABS. Trotzdem stoßen viele Anwender früher oder später auf ein typisches Problem: feine Fäden zwischen den Druckteilen, sogenanntes Stringing.
Diese dünnen Kunststofffäden entstehen meist beim Wechsel zwischen zwei Druckbereichen und können die Oberfläche eines Drucks deutlich verschlechtern. Besonders bei komplexen Modellen mit vielen Bewegungen der Düse tritt das Problem häufig auf.
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich PETG Stringing mit einigen gezielten Anpassungen der Druckeinstellungen deutlich reduzieren oder sogar vollständig vermeiden. In diesem Artikel zeige ich die häufigsten Ursachen und welche Maßnahmen in der Praxis wirklich helfen.
Was ist Stringing beim 3D-Druck?
Beim Stringing zieht die Düse während einer Bewegung zwischen zwei Druckpunkten feine Kunststofffäden hinter sich her. Das Material tropft gewissermaßen aus der heißen Düse, obwohl gerade kein Material extrudiert werden sollte.
Typische Anzeichen sind:
- feine Kunststofffäden zwischen Bauteilen
- kleine „Spinnweben“ auf der Oberfläche
- unruhige Übergänge zwischen Druckbereichen
Dieses Verhalten tritt besonders häufig bei PETG auf, da das Material eine relativ hohe Viskosität besitzt und dazu neigt, in geschmolzenem Zustand leicht nachzufließen.
Warum neigt PETG besonders zu Stringing?
Im Vergleich zu PLA ist PETG etwas zähflüssiger und bleibt länger weich, wenn es aus der Düse austritt. Dadurch kann sich das Material leichter in dünnen Fäden zwischen zwei Punkten ziehen.
Zusätzlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- zu hohe Drucktemperatur
- unzureichende Retraction-Einstellungen
- feuchtes Filament
- zu hohe Druckgeschwindigkeit
- falsche Travel-Moves
In vielen Fällen ist Stringing nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen, sondern auf eine Kombination mehrerer Faktoren.
Neben Stringing gehört auch eine schlechte Haftung zu den häufigsten Problemen beim PETG-Druck. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Problemlösung findest du im Beitrag PETG haftet nicht – Ursachen und Lösungen.
Die richtige Drucktemperatur einstellen
Eine der häufigsten Ursachen für Stringing ist eine zu hohe Drucktemperatur.
Wenn PETG zu heiß gedruckt wird, wird das Material sehr flüssig und kann leichter aus der Düse nachlaufen. Dadurch entstehen beim Verfahrweg der Düse schnell feine Fäden.
Typische Temperaturbereiche für PETG liegen zwischen:
- 230 °C und 250 °C
Wenn du starkes Stringing beobachtest, kann es sinnvoll sein, die Temperatur schrittweise zu reduzieren.
Ein bewährtes Vorgehen ist ein sogenannter Temperatur-Tower, bei dem das gleiche Modell mit verschiedenen Temperaturen gedruckt wird. So lässt sich schnell erkennen, bei welcher Temperatur die saubersten Ergebnisse entstehen.
Eine zu niedrige Temperatur sollte jedoch ebenfalls vermieden werden, da sonst die Layerhaftung leiden kann.
Retraction richtig einstellen
Die Retraction-Einstellung gehört zu den wichtigsten Parametern, um Stringing zu reduzieren.
Bei einer Retraction zieht der Drucker das Filament kurz zurück, bevor sich die Düse zu einer neuen Position bewegt. Dadurch wird verhindert, dass geschmolzenes Material aus der Düse austritt.
Typische Retraction-Werte für PETG sind:
Direct-Drive-Extruder
- 0,5 – 1,5 mm Retraction
- 20 – 35 mm/s Geschwindigkeit
Bowden-Extruder
- 3 – 5 mm Retraction
- 25 – 45 mm/s Geschwindigkeit
Zu hohe Retraction-Werte können jedoch zu anderen Problemen führen, etwa Unterextrusion oder verstopften Düsen. Deshalb empfiehlt es sich, die Werte schrittweise zu testen.
Die grundlegenden Parameter wie Drucktemperatur, Retraction und Druckgeschwindigkeit spielen eine zentrale Rolle für die Druckqualität. Eine ausführliche Übersicht der wichtigsten Einstellungen findest du im Leitfaden zu den optimalen PETG-Einstellungen.
Travel-Moves optimieren
Auch die Bewegung der Düse zwischen zwei Druckpunkten kann Einfluss auf Stringing haben.
Viele Slicer bieten Optionen wie:
- Combing Mode
- Avoid crossing perimeters
- Z-Hop
Diese Funktionen steuern, wie sich die Düse zwischen zwei Druckbereichen bewegt.
Besonders hilfreich ist oft die Einstellung „Avoid crossing perimeters“, da sie verhindert, dass die Düse unnötig über offene Bereiche fährt.
Dadurch reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich Fäden zwischen verschiedenen Teilen bilden.
Feuchtes PETG als Ursache für Stringing
PETG ist hygroskopisch. Das bedeutet, dass das Filament Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnimmt.
Feuchtes PETG kann mehrere Probleme verursachen:
- verstärktes Stringing
- kleine Blasen im Druck
- raue Oberflächen
- ungleichmäßige Extrusion
PETG lässt sich in der Regel bei 50–60 °C für etwa 4–6 Stunden trocknen. Danach verbessert sich die Druckqualität oft deutlich.
Damit Filament gar nicht erst Feuchtigkeit aufnimmt, lohnt sich eine geeignete Lagerung. Welche Methoden sich bewährt haben, erfährst du im Artikel Filament richtig lagern.
Wenn dein Filament längere Zeit offen gelagert wurde, kann Feuchtigkeit die Druckqualität stark verschlechtern. Wie du PETG richtig trocknest und lagerst, erkläre ich im Artikel zum Trocknen von PETG-Filament.
Auch die Qualität des Filaments kann einen großen Einfluss auf Stringing haben. Eine Übersicht empfehlenswerter Materialien findest du im Vergleich zum besten PETG-Filament für Werkstattteile.
Druckgeschwindigkeit anpassen
Auch die Druckgeschwindigkeit kann Einfluss auf Stringing haben.
Wenn sich die Düse sehr schnell bewegt, kann das Filament stärker nachziehen. Gleichzeitig kann eine zu langsame Geschwindigkeit dazu führen, dass das Material länger Zeit hat, aus der Düse zu tropfen.
Für PETG haben sich meist moderate Geschwindigkeiten bewährt:
- 40–60 mm/s für Standarddrucke
- 20–30 mm/s für detailreiche Bereiche
Je nach Drucker und Filament können jedoch auch andere Werte sinnvoll sein.
Düsenqualität und Düsentemperatur
Auch die Düse selbst kann eine Rolle spielen. Abgenutzte oder verschmutzte Düsen führen manchmal zu ungleichmäßiger Extrusion.
Eine regelmäßige Reinigung kann helfen, Druckprobleme zu vermeiden.
Außerdem kann ein Wechsel der Düsengröße Einfluss auf Stringing haben. Kleinere Düsen erzeugen oft feinere Druckbilder, während größere Düsen bei funktionalen Bauteilen stabiler arbeiten.
Weitere Tipps gegen PETG Stringing
Neben den grundlegenden Einstellungen gibt es noch einige praktische Maßnahmen, die helfen können:
Lüfterleistung leicht erhöhen
Mehr Kühlung kann das Material schneller erstarren lassen.
Slicer-Option „Wipe“ aktivieren
Der Extruder bewegt sich kurz zurück und wischt überschüssiges Material ab.
Modellpositionierung optimieren
Große Abstände zwischen Bauteilen erhöhen das Risiko für Stringing.
Druckreihenfolge anpassen
Mehrere kleine Teile können nacheinander gedruckt werden, statt gleichzeitig.
Fazit – PETG Stringing lässt sich meist gut kontrollieren
Stringing gehört zu den häufigsten Herausforderungen beim Drucken mit PETG. In den meisten Fällen lässt sich das Problem jedoch mit einigen gezielten Anpassungen deutlich reduzieren.
Besonders wichtig sind dabei:
- eine passende Drucktemperatur
- korrekt eingestellte Retraction
- trockenes Filament
- optimierte Travel-Moves
Wer diese Faktoren systematisch überprüft, kann PETG auch bei komplexeren Modellen sauber und zuverlässig drucken.
Mit etwas Feintuning lassen sich so stabile, funktionale Bauteile herstellen – ohne störende Fäden oder unsaubere Oberflächen.
Häufige Fragen zu PETG Stringing
Warum zieht PETG Fäden beim Drucken?
PETG neigt stärker zu Stringing als viele andere Filamente, da das Material im geschmolzenen Zustand relativ zähflüssig bleibt. Wenn die Düse zwischen zwei Druckpunkten bewegt wird, kann geschmolzenes Material aus der Düse austreten und dünne Fäden bilden. Häufige Ursachen sind zu hohe Drucktemperaturen, falsche Retraction-Einstellungen oder feuchtes Filament.
Welche Temperatur reduziert PETG Stringing?
In vielen Fällen hilft eine leicht niedrigere Drucktemperatur. PETG wird meist zwischen 230 °C und 250 °C gedruckt. Wenn starkes Stringing auftritt, kann es sinnvoll sein, die Temperatur schrittweise um 5 °C zu reduzieren und das Ergebnis zu testen.
Wie viel Retraction braucht PETG?
Die optimale Retraction hängt vom Extruder-Typ ab.
Direct-Drive-Extruder
etwa 0,5–1,5 mm
Bowden-Extruder
etwa 3–5 mm
Zu hohe Retraction-Werte können jedoch Unterextrusion oder Verstopfungen verursachen.
Kann feuchtes PETG Stringing verursachen?
Ja. PETG nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf. Feuchtes Filament kann beim Drucken zu stärkerem Stringing, Blasenbildung und rauen Oberflächen führen. In solchen Fällen hilft es, das Filament bei etwa 50–60 °C für mehrere Stunden zu trocknen.
Kann man PETG komplett ohne Stringing drucken?
In der Praxis lassen sich die Fäden meist deutlich reduzieren, aber selten vollständig vermeiden. Mit optimalen Einstellungen, trockenem Filament und sauber abgestimmten Slicer-Parametern kann Stringing jedoch so weit minimiert werden, dass es kaum noch sichtbar ist.
Kommentare
8 Kommentare zu „PETG Stringing vermeiden – Ursachen und Lösungen für saubere 3D-Drucke“
[…] Feuchtes Filament kann verschiedene Druckprobleme verursachen. Besonders häufig treten feine Kunststofffäden zwischen den Bauteilen auf. Wie du dieses Problem gezielt reduzierst, erfährst du im Artikel PETG Stringing vermeiden. […]
[…] Wenn beim Drucken feine Fäden zwischen den Bauteilen entstehen, liegt das meist an falschen Retraction- oder Temperatureinstellungen. Wie du dieses Problem gezielt behebst, erkläre ausführlich ich im Artikel PETG Stringing vermeiden. […]
[…] Feuchtes PETG kann nicht nur Bläschen im Material verursachen, sondern auch verstärkt zu Fädenbildung führen. Wie du dieses typische Druckproblem reduzierst, erfährst du im Artikel PETG Stringing vermeiden. […]
[…] Wenn beim Drucken feine Fäden entstehen, liegt das allerdings meist eher an den Druckparametern als an der Umgebungstemperatur. Wie man dieses Problem reduziert, erkläre ich im Artikel PETG Stringing vermeiden. […]
[…] Eine ausführliche Anleitung zur Lösung findest du im Artikel PETG Stringing vermeiden. […]
[…] Wie du dieses Problem reduzierst, erkläre ich im Artikel PETG Stringing vermeiden. […]
[…] Gerade PETG ist für viele Werkstattteile eine sehr gute Wahl. Wenn du Probleme mit Fädenbildung hast, findest du Lösungen im Artikel PETG Stringing vermeiden. […]
[…] Wie du dieses Problem reduzierst, erkläre ich im Artikel PETG Stringing vermeiden. […]