3D-Druck-Aufträge kalkulieren: Angebotspreis, Arbeitszeit und Gewinn

3D-Druck-Auftrag mit Bauteilen und Kalkulation in einer Werkstatt

Ein 3D-Druck-Auftrag ist erst dann sinnvoll kalkuliert, wenn nicht nur das Filament, sondern auch Maschinenzeit, Arbeitszeit, Ausschussrisiko, Nachbearbeitung und Gewinn berücksichtigt werden. Gerade bei Einzelanfertigungen und kleinen Serien entstehen viele Kosten außerhalb des eigentlichen Druckvorgangs. Ein ergänzendes Rechenbeispiel bietet der 3D-Druck-Preisrechner von Prusa.

Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du aus einer Kundenanfrage ein belastbares Angebot entwickelst. Die Berechnung eignet sich für Ersatzteile, Prototypen, personalisierte Produkte und kleine Serien.

Kurzformel: Material + Maschinenkosten + Arbeitszeit + Fremdleistungen + Verpackung + Risikozuschlag + Gewinn = Netto-Angebotspreis. Umsatzsteuer wird anschließend entsprechend deiner steuerlichen Situation behandelt.

Warum eine Auftragskalkulation mehr als eine Produktkalkulation ist

Bei einem Standardprodukt kennst du Datei, Material, Profil und Ablauf bereits. Ein individueller Auftrag beginnt dagegen meist mit Rückfragen, Prüfung der Datei, Testdruck oder Konstruktion. Diese einmaligen Tätigkeiten müssen auf die bestellte Stückzahl verteilt oder als eigene Position berechnet werden.

Trenne deshalb zwischen einmaligen Auftragskosten und stückzahlabhängigen Produktionskosten. So wird sichtbar, warum zehn identische Teile pro Stück günstiger sein können als ein einzelnes Exemplar.

Diese Kosten gehören in jeden 3D-Druck-Auftrag

KostenblockTypische BestandteileBerechnung
MaterialBauteil, Support, Purge, FehldruckreserveGramm × Preis pro Gramm
MaschineAbschreibung, Strom, WartungDruckstunden × Maschinenstundensatz
VorbereitungDateiprüfung, Slicing, AngebotArbeitszeit × Stundensatz
KonstruktionCAD, Anpassungen, IterationenZeit oder Festpreis
NachbearbeitungSupport entfernen, Schleifen, MontageArbeitszeit × Stundensatz
VerpackungKarton, Etikett, FüllmaterialKosten je Auftrag oder Stück
RisikoAusschuss, Wiederholungsdruck, Terminrisikoprozentualer Zuschlag
GewinnUnternehmerischer ErtragAufschlag oder Zielmarge

Material inklusive Ausschuss berechnen

Verwende nicht nur das Modellgewicht. Addiere Supportmaterial, Brim, Purge-Mengen und eine realistische Ausschussreserve. Kostet eine Kilogrammrolle 24 Euro, liegt der reine Einkaufspreis bei 0,024 Euro pro Gramm. Bei 80 Gramm tatsächlichem Verbrauch entstehen 1,92 Euro Materialkosten. Einkauf, Versand, Restmengen und Feuchtigkeit können einen höheren internen Gramm-Preis rechtfertigen.

Arbeitszeit nicht verschenken

Arbeitszeit entsteht bei Kommunikation, Dateiprüfung, Slicing, Druckerbestückung, Qualitätskontrolle, Nachbearbeitung und Verpackung. Zehn Minuten hier und fünf Minuten dort summieren sich. Lege einen betrieblichen Stundensatz fest und erfasse auch kurze Tätigkeiten.

Konstruktion getrennt ausweisen

Musst du ein Ersatzteil vermessen und neu konstruieren, ist das eine Dienstleistung. Der spätere Druckpreis darf diese Entwicklungsarbeit nicht verstecken. Vereinbare außerdem, wie viele Korrekturschleifen enthalten sind und wer die Nutzungsrechte an der Datei erhält.

Schritt für Schritt zum Angebot

  1. Anfrage prüfen: Einsatzzweck, Stückzahl, Material, Farbe, Maße, Belastung und Termin klären.
  2. Datei bewerten: Druckbarkeit, Wandstärken, Toleranzen, Support und Lizenz prüfen.
  3. Produktion simulieren: Modell slicen und Materialmenge sowie Druckzeit dokumentieren.
  4. Einmalkosten erfassen: Kommunikation, Einrichtung, Konstruktion und Testdruck kalkulieren.
  5. Stückkosten berechnen: Material, Maschine, Bedienzeit und Nachbearbeitung je Teil bestimmen.
  6. Risiko ergänzen: Ausschuss, Wiederholungsdrucke und knappe Termine berücksichtigen.
  7. Gewinn einplanen: Preis nicht nur kostendeckend, sondern unternehmerisch sinnvoll gestalten.
  8. Angebot schriftlich abgrenzen: Menge, Material, Qualität, Lieferzeit und enthaltene Änderungen nennen.

Beispiel: Zehn Halterungen kalkulieren

Angenommen, ein Kunde bestellt zehn identische PETG-Halterungen. Jede Halterung benötigt einschließlich Reserve 80 Gramm Material und 3,5 Druckstunden. Für Vorbereitung, Entnahme, Qualitätskontrolle und Verpackung fallen insgesamt 1,5 Arbeitsstunden an.

PositionRechenwegBetrag
Material800 g × 0,022 €17,60 €
Maschine35 h × 0,45 €15,75 €
Arbeitszeit1,5 h × 30 €45,00 €
Verpackungpauschal8,00 €
Zwischensumme86,35 €
Risiko 10 %86,35 € × 0,108,64 €
Gewinnaufschlag 25 %94,99 € × 0,2523,75 €
Netto-Angebotspreis118,74 €

Das Beispiel ist keine allgemeine Preisempfehlung. Dein Maschinenstundensatz, Arbeitslohn, Materialeinkauf und Risiko können deutlich abweichen. Entscheidend ist die nachvollziehbare Struktur.

Mindestauftragswert und Rüstpauschale

Kleine Einzelaufträge verursachen oft fast denselben Kommunikations- und Einrichtungsaufwand wie größere Bestellungen. Ein Mindestauftragswert oder eine transparente Rüstpauschale verhindert, dass du zwanzig Minuten Beratung für einen Drei-Euro-Druck verschenkst. Kommuniziere diese Grenze vor der Detailarbeit.

Eilaufträge, Änderungen und Wiederholungsdrucke

  • Eilauftrag: Zuschlag, wenn andere Aufträge verschoben oder zusätzliche Kontrollen nötig werden.
  • Dateiänderung: klar definieren, wie viele Korrekturen im Angebot enthalten sind.
  • Kundenfehler: festhalten, wer für falsche Maße oder ungeeignete Dateien verantwortlich ist.
  • Wiederholungsauftrag: Einmalkosten reduzieren, wenn Datei und Prozess unverändert bleiben.
  • Fehldruck: internes Produktionsrisiko nicht automatisch vollständig auf den Kunden abwälzen.

Angebot und Nachkalkulation verbinden

Vergleiche nach Abschluss die geplanten mit den tatsächlichen Werten: Material, Druckzeit, Bedienzeit, Ausschuss und Versand. Nur so erkennst du, ob dein Stundensatz und deine Zuschläge funktionieren. Wiederkehrende Abweichungen gehören in die nächste Kalkulation.

Die Grundlagen für Standardprodukte findest du im Ratgeber 3D-Drucke verkaufen: Preise richtig kalkulieren. Der Beitrag Strom- und Maschinenkosten berechnen vertieft den Maschinenstundensatz. Rechtliche Ausgangspunkte behandelt Was ist beim gewerblichen Verkauf erlaubt?.

Häufige Fehler bei der Auftragskalkulation

  • nur Filament und Strom berechnen
  • Angebots- und Kommunikationszeit ignorieren
  • CAD-Arbeit im Druckpreis verstecken
  • keine Ausschussreserve einplanen
  • Gewinn mit dem eigenen Arbeitslohn verwechseln
  • unklare Leistungen und unbegrenzte Änderungen zusagen
  • nach dem Auftrag keine tatsächlichen Kosten vergleichen

Fazit: Jeder Auftrag braucht eine nachvollziehbare Kostenstruktur

Eine belastbare Auftragskalkulation trennt Einmalkosten, Stückkosten, Risiko und Gewinn. Sie schützt dich vor unbezahlter Arbeit und macht größere Stückzahlen transparent. Speichere deine Annahmen, führe nach jedem Auftrag eine kurze Nachkalkulation durch und passe deine Sätze mit echten Produktionsdaten an.

Häufige Fragen

Wie hoch sollte der Stundensatz für 3D-Druck-Arbeit sein?

Der passende Stundensatz hängt von Qualifikation, Betriebskosten, Auslastung und gewünschtem Einkommen ab. Verwende keinen pauschalen Internetwert, sondern berechne deinen notwendigen betrieblichen Satz.

Wie kalkuliere ich einen Prototyp?

Berechne Konstruktion, Dateiprüfung, Testdrucke und Änderungen getrennt von der späteren Fertigung. Vereinbare vorab, wie viele Iterationen enthalten sind.

Sollte ich Fehldrucke berechnen?

Ein durchschnittliches Ausschussrisiko gehört in deine Preise. Ein konkreter, von dir verursachter Fehldruck sollte jedoch nicht als zusätzliche Überraschungsposition beim Kunden erscheinen.